CHASSELAS (Weiterleitung von GUTEDEL)


Herkunft

Chasselas, oder deutsch Gutedel, gilt als die älteste unserer Kulturreben. Die Urheimat wird in Palästina vermutet. Wahrscheinlich wurde diese Sorte von den seefahrenden Phöniziern zu den Griechen und Römern gebracht. Eine Annahme geht dahin, er habe seine erste Verbreitung in Vorderasien um Konstantinopel gefunden, wo sie als Tafeltraube noch heute angebaut wird, und sei von dort durch den französischen Botschafter Vicomte d'Aulan 1523 ins Burgund gebracht worden. Tatsächlich ist der Sortenname mit dem Burgunderdorf Chasselas identisch. Eine bekannte Varietät ist der Chasselas rouge oder roter Gutedel (Als absolute Rarität wird von der im Jahre 1896 gegründeten Winzervereinigung «Insel Reichenau, Bodensee» daraus Rotwein (QbA trocken) gekeltert.). Aus ihr mutierte möglicherweise die weisse Sorte. Vielleicht wurde die Gutedelrebe im Dörfchen Chasselas erstmalig angebaut. Aber auch Cahors am Lot, nördlich von Toulouse, wird als Ausgangspunkt für eine Verbreitung angesehen. Widersprüchlich sind die Angaben, dass die damaligen Gutedelreben aus der Schweiz stammen sollten.
Gemäss anderen Quellen war sie  schon vor 5000 Jahren in Ägypten bekannt. Mehrere Formen sind noch heute in der Oase Fayyum, rund 70 Kilometer südwestlich von Kairo zu finden. In der Schweiz ist sie in klösterlichen Urkunden als Fendant seit dem 15. Jahrhundert erwähnt. Die Rebsorte wird auch häufig für Neuzüchtungen herangezogen, zum Beispiel für die Sorten Charmont, Doral, Gutenborner, Huxelrebe, Müller-Thurgau, Nobling und Schönburger.
 


Verbreitung

Gutedel dürfte als Tafeltraube auf der ganzen Welt verbreitet sein. Die Tafeltrauben besitzen einen hohen Anbauwert, da sie gut transportfähig sind und angenehm süss schmecken. Als Keltertraube finden wir Gutedel vor allem in der Schweiz (besonders Westschweiz und Wallis), im Elsass, in Deutschland (Markgräflerland), in geringerem Umfang auch in Österreich, in Rumänien (ca. 13.000 Hektar), Ungarn (ca. 6000 Hektar) und Tschechien. In der Schweiz ist Chasselas die am meisten angebaute Rebsorte.


Eigenschaften

Die Rebsorte Chasselas ist leicht zu erkennen am kupferfarbenen Austrieb, an den sehr weit entwickelten Ranken und schlafenden Augen. Die Blätter der Pflanze sind mittelgroß, hellgrün, rotgeadert, stark fünflappig, tief gebuchtet und haben einen stumpf gezahnten Rand. Sie zeigen früh eine gelbe Herbstfärbung. Das Holz ist rötlichbraun, deutlich gestreift und dunkel gefleckt. Die Trauben sind groß und lockerbeerig mit zarter Beerenhaut.
Casselas verlangt eine mittelgute, windgeschützte Lage, weil die Blüte etwas kälteempfindlich ist. Spätfröste führen zu starken Ertragsausfällen. Die Rebe ist Starkwüchsig und produziert viele Grosse Trauben. Nur eine rigorose Mengenbegrenzung ergibt ansprechende Weine.  Zu Problemen können Rotbrenner, Stiellähme und der Taubenwickler werden. Chasselas/Gutedel ist anfällig auf Mehltau. An den Boden und die Bodenfeuchte werden grosse Ansprüche gestellt.


Weintyp

Chasselas/Gutedel zählt nicht zu den Sorten, die begehrte Qualitätsweine liefern. Ihr im Grunde neutraler Charakter erlaubt den Weinen, die Verschiedenartigkeit der Böden und der klimatischen Bedingungen voll zum Ausdruck zu bringen. Das führt in der Westschweiz, dem Hauptanbaugebiet, zu einer grossen Vielfalt der Weine. Im Bereich der leichten, ansprechenden Weine stellt Chasselas/Gutedel eine Spezialität dar. Die Palette der Weine reicht von leicht, mild über spritzig und bekömmlich bis kraftvoll mineralisch. Ähnlich dem Riesling x Sylvaner schmecken sie jung getrunken am besten. Die Weine der besten Lagen haben ein gutes Alterungspotential.


Synonyme

Fendant (Wallis), Gutedel (deutschsprachige Regionen)

Abelione, Abelone, Albilloidea, Amber Chasselas, Amber Muscadine, Berioska Casla, Berezka, Beyaz Gutedel, Biela Plemincka Chrapka, Blanchette, Bordo, Bournet, Charapka, Chasselas Angevin, Chasselas Croquant, Chasselas de Bar-sur-Aube, Chasselas de Bordeaux, Chasselas de Florence, Chasselas de Fontainlebau, Chasselas de Moissac, Chasselas de Montauban, Chasselas de Pondichery, Chasselas de Teneriffe, Chasselas di Thomery, Chasselas Doré, Chasselas Dorato, Chasselas Jalabert, Chasselas Piros, Common Muscadine, Chrupka, Dinka Belaya, Dinka Blanche, Dobrorozne, Doppelte Spanische, Dorin, Doucet, Edelschoen, Edelweiss, Elsaesser, Fabiantraube, Feher Chasselas, Fehér Fábiánszőlő, Fehér gyöngyszőlő (Ungarn, wörtlich «Perlentraube»),Feher Repoos, Fendant Blanc, Fendant Vert, Florenci Jouana, Franceset, Frauentraube, Golden Chasselas (Kalifornien), Gutedel gemein, Gutedel weiss, Junker, Krachmost, Lardot, Maisa, Marzemina Binaca, Marzemina Niduca, Moren Blanc, Morlenche, Moster,
Pariser Gutedel, Perlan, Pinzutella, Plamenka Belyi, Plant de Toulard, Plemenika Praskava, Pleminka Biela, Praskava, Pruscava Biela, Queen Victoria (Australien), Raisin d’Officier, Ranka, Reben Herrn, Rheinrebe, Rosmarintraube, Rosmarinentraube, Royal Muscadine, Sasla, Schoenedel, Shasla Belaya, Shasla Lechebnaya, Silberlingt, Silberwissling, Spanier Gross, Spanische grosse, Spanische grossblättrig, Strapak, Suesslling, Sweetwater, Terravin, Tribi vognoble, Tribiano Tedesco, Uslechtile Bile, Valais Blanc, Viala, Viviser, Wälscher (Österreich), White van der Laan, Zlahtnina, Zupljanka


Fendant – der Chasselas im Wallis
Der Chasselas Fendant, der mehr als 30 Prozent des gesamten Rebbestandes ausmacht, wird im Wallis überall angebaut. Sein Name ist auf eine Besonderheit der reifen Beere zurückzuführen, deren Haut und Fruchtfleisch unter dem Druck der Finger platzen, ohne dass der Saft ausläuft. Er kommt unter der Appellation Fendant du Valais AOC in den Handel oder unter der Bezeichnung des Rebgebietes einer Gemeinde, des Clos oder der Domäne, aus denen der Wein hervorgeht. Als Paradepferd des Wallis ist der Fendant der Aperitif- und Begrüssungswein schlechthin. Er ist trocken, natürlich, rassig und appetitanregend und so geniesst man diesen Wein in jedem Alter, bei allen Gesprächsrunden, in allen Gesellschaftsschichten. Er fühlt sich auf allen Tischen wohl.
Die Walliser sagen der Fendant sei ein hervorragender Durstlöscher. Er löschen den Durst jedoch erst mit dem zweiten Glas.
Während langer Zeit hat ihm die Walliser Sonne zugesetzt. Da er bei maximaler Reife gelesen wurde, verlor er an Fruchtigkeit und Süffigkeit. Heute haben sich die Zeiten geändert. Jetzt wird er bei optimaler Reife gelesen und vereint in seinen Geschmacksnoten Finesse, Frische und Eleganz. Der Fendant spricht sehr auf das Terroir an und widerspiegelt dieses mit subtilen Nuancen. In Ardon oder Vétroz schmückt er sich mit mineralischen Noten, in Sion und Saint-Léonard gefällt er sich mit Fülle und Üppigkeit, in Siders präsentiert er sich mit einer feinen, stärkenden und wohltuenden Bitterkeit. Während der ersten zwei bis drei Jahre trägt der Fendant seinen jugendlichen Charakter zur Schau mit einem frischen, prickelnden Ansatz und Aromen, in denen oft Früchte und Blumen ineinander spielen, geschmeidigen und runden Geschmacksnoten, einem lebhaften, heiteren Charakter. Mit dem Alter offenbart er eine ungeahnte Komplexität. In den grossen Jahrgängen weist er nach fünf oder zehn Jahren Lagerung Aromen von Honig, Nüssen und eine geschmeidige Textur auf, die ihm eine aussergewöhnliche Persönlichkeit verleihen. Diese Entdeckung ist allerdings nur für Weinfreunde bestimmt, denn der Konsument bevorzugt meistens den jungen und lebhaften Fendant.